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Rehacare-Recherche: Ein fester Termin für alle im Reha-Sektor?

Da war sie nun also die Rehacare, der feste Termin im Reha-Sektor. Für jeden, der mit gehandicapten Menschen oder auch mit Senioren zu tun hat, scheint es ein alljährlicher Pflichttermin zu sein. Mindestens alle zwei Jahre sollte man aber schon vertreten sein, das gehört zum guten Ton.
Nun auch letzte Woche hatte die Rehacare nach Düsseldorf gerufen und alle strömten hin, das zumindest könnte man annehmen, wenn man sich die Massen gehandicapter Menschen ansieht, die einen schon am Hauptbahnhof in Düsseldorf erwarten. Überfüllung der Aufzüge, Rollstuhlfahrer und Anwender von Rollatoren und anderen Gehhilfen wohin das Auge blickt. Auf der Rehacare ist das nicht viel anders. Tatsächlich könnte man meinen, die Rehacare sei das Mekka der Menschen mit Behinderung. Alles ist barrierefrei und alle strömen hin. Doch so ist es nicht ...

Warum die Rehacare nicht der Mekka für Menschen mit Behinderung ist

Denn tatsächlich bedeutet Rehacare, viele Eindrücke, Lärm und Enge. Viele Menschen mit Einschränkungen auf kleinem Raum. Messen als solche haben diese Form der Reizüberflutung immer, denn immer geht es darum, Neuheiten kennen zu lernen, sich auszutauschen und eine Form von Networking zu betreiben. Nichts anderes passiert auch auf der Rehacare und doch, das Gefühl der Messe ist intensiver. Die Reizüberflutung größer. Vier Tage Rehacare sind vier Tage Messe mit Extras. Nicht nur für Menschen mit Behinderung ist diese Messe ein besonderes Erlebnis, sondern auch für Menschen ohne jegliche Einschränkung. Gerade wenn es um den Beratungsbedarf geht, sitzt man hier an der Quelle der Information. Man bekommt Inputs, die man sonst nicht erhält. Schon gar nicht als Außenstehender. Hier bietet sich die Gelegenheit, auch mal ein Hilfsmittel auszuprobieren, selbst wenn man sonst gar keines benötigt.

Hilfsmittel auf Probe

Glauben Sie mir, wer das Experiment wagt, sich für einen Augenblick mit einem Hilfsmittel zu konfrontieren, der sieht die Welt mit anderen Augen. Denn es sind nicht die Menschen mit Behinderung, die angesichts ihrer Einschränkung hilflos sind, sondern oftmals ist es der nicht-behinderte Mensch, der angesichts der Behinderung eines Anderen in tiefe Verzweiflung oder zumindest in Hilflosigkeit versetzt wird.

Hilflos im Umgang mit Behinderung

Der Mensch mit Behinderung weiß oftmals ganz genau, in welchem Bereich seine individuelle Einschränkung liegt. Man muss sie ihm also nicht erklären. Bei der Rehacare sieht man dieses Phänomen, diese Hilflosigkeit der anderen, häufiger als es den Anschein hat, denn Hilflosigkeit tarnt sich gerne mit Freundlichkeit. Tatsächlich möchten aber gar nicht alle Rollstuhlfahrer, dass man vor ihnen hockt, sie sind es gewöhnt hochzuschauen, um Gespräche in Augenhöhe zu führen. Bei längeren Gesprächen gibt es auch noch die Variante sich einen Tisch mit Stühlen zu suchen. Das machen übrigens nicht nur Menschen mit, sondern auch ohne Handicap so.

Das Selbstbewusstsein der Menschen mit Behinderung wächst

Generell konnte man auf der Rehacare den Eindruck gewinnen, dass das Selbstbewusstsein der Menschen mit Behinderung steigt. Ist das ein positiver Nebeneffekt der Inklusion? Ich kann es Ihnen nicht sagen, aber tatsächlich ist es so, dass die allermeisten im Gesamtbild nicht mehr aus der Masse hervorstechen, sondern genauso ihr Leben haben, wie alle anderen auch. Behinderte Menschen lassen sich heute nicht mehr auf ihre Behinderung reduzieren, sondern auf ihr Menschsein erweitern. Sie sind trotz aller Abhängigkeit unabhängig geworden, dieses zeigt sich auch und vor allem auf einer Messe wie der Rehacare.
(Aktualisiert am 17.08.16 um 11:35 Uhr)

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